• Aktuelles
  • Interview mit Fotograf Julian Rad
Copyright: Jasmina Brkic

Von klein auf? Mit wie viel Jahren entstand Dein erstes Tierfoto?

Mit 20 Jahren habe ich mir meine erste Kamera gekauft und habe seitdem ganz viele Tierbilder gemacht und hunderte Stunden in der Natur auf Wiesen und in Wäldern verbracht. Ich hatte bereits tolle Begegnungen mit seltenen und auch sehr scheuen Tieren wie dem Fuchs, Eisvogel, Ziesel, Rehen, Eichhörnchen, Sperber, Habicht und vielen mehr. Wenn man Wildtiere fotografieren möchte muss man oft ganz lange und geduldig warten bis die Tiere auftauchen, auch bin ich meistens in einem Tarnzelt in dem ich mich vor den Tieren verstecke damit sie mich nicht bemerken und so gelingen oft tolle Fotos. Denn je unsichtbarer man ist / sich verhält, desto wohler fühlen sich die Tiere und desto gelungener werden die Aufnahmen.

Warum fotografierst Du ausgerechnet den Feldhamster?

Der Feldhamster ist sehr selten geworden und nicht mehr überall anzutreffen, leider zählt er zu den gefährdeten Tierarten und vor allem das ist ein Grund wieso ich dieses kleine Tier so gerne fotografiere. Ich fühle mich absolut geehrt und schätze es sehr seltene Tierarten wie den Feldhamster vor die Kamera zu bekommen und versuche dabei mit meinen Fotos den Menschen, die noch nie einen Feldhamster gesehen haben, dieses faszinierende Tier näher zu bringen.

Zu welcher Jahreszeit/Tageszeit sind Hamster am besten zu fotografieren?

Die Feldhamster sind dämmerungsaktiv und nachtaktiv, das bedeutet dass sie kurz vor Sonnenuntergang aus ihren Höhlen rauskommen um Futter zu sammeln und früh am Morgen wieder in ihre Höhle zurückkehren um zu schlafen. Kurz gesagt heißt das, dass wenn der Tag für uns Menschen endet, der Tag für den Feldhamster erst beginnt. Von April bis September lässt sich der Feldhamster am besten fotografieren, im Winter hält der Feldhamster Winterschlaf, dieser dauert ungefähr ein halbes Jahr von Ende September bis Ende März.

Copyright: Julian Rad

Der Hamster rennt schnell. Musst du als Tierfotograf gut trainiert sein, um dranzubleiben?

Wenn man den Feldhamster im Lauf fotografieren möchte muss man im richtigen Moment den Auslöser der Kamera drücken, was mir nicht immer gelingt, denn der Feldhamster ist eine richtige Sportskanone und kann wirklich schnell laufen. Wichtig ist es nicht gleich aufzugeben wenn mal kein perfektes Foto gelingt, als Naturfotograf muss man viel Geduld und Ausdauer haben und mir ist es sogar schon passiert dass ich gar ohne Bilder nach Hause gegangen bin, aber das ist für mich absolut kein Problem, denn kein Tag in der Natur ist für mich ein verlorener Tag, ganz egal ob ich dabei Fotos machen konnte oder nicht.

Wie lange liegst Du beim Fotografieren auf der Lauer?

Das ist sehr unterschiedlich und kommt immer darauf an welches Tier ich fotografiere, der Feldhamster ist ziemlich zuverlässig und kommt immer fast pünktlich aus seiner Höhle um Futter zu sammeln, bei anderen Tieren wie Eichhörnchen, Rehen oder Füchsen weiß ich oft nie wann das Tier auftaucht und so können Stunden vergehen bis ich das erste Foto gemacht habe.

Wie groß ist die Entfernung zwischen Dir und dem Tier beim Fotografieren?

Wenn ich den Feldhamster fotografiere beträgt der Abstand oft nur wenige Meter, denn der Feldhamster sieht gar nicht so gut und so kann ich ganz nah an den Hamster ran ohne dass er mich bemerkt.

Copyright: Jasmina Brkic

Was war Dein lustigstes Erlebnis mit einem Hamster?

Eines Abends als ich mich in die Wiese legte um den Feldhamster zu fotografieren hatte ich ungewöhnlich lange auf den Feldhamster gewartet, denn eigentlich bin ich es gewohnt dass der Feldhamster immer pünktlich aus seiner Höhle kommt, so verging fast eine Stunde und nichts passierte. Auf einmal spürte ich etwas auf meinem Bein, ich drehte mich um und es war der Feldhamster der auf mein Bein kletterte und es sich dort gemütlich gemacht hat, so etwas habe ich noch nie erlebt und nicht nur der Feldhamster schaute ganz verdutzt sondern auch ich, scheinbar ist er aus seinem anderen Loch rausgekommen, denn Feldhamster haben immer zwei Eingänge die in ihren Bau führen.

Wie viele Fotos schießt Du an einem Tag und wie viele löscht Du davon wieder?

Das ist eine sehr gute Frage, denn so genau kann ich das gar nicht sagen, an manchen Tagen schieße ich nur wenige Fotos und an manchen Tagen schieße ich sehr viele Fotos, es hängt auch immer vom Wetter ab, denn wenn es regnet sind die Tiere nicht so aktiv und zeigen sich nur selten, an schönen Tagen wenn die Sonne strahlt kommt es vor dass ich einige hundert Fotos mache und von den Fotos die ich gemacht habe suche ich mir die besten Bilder raus und den Rest lösche ich meistens.

Welches Tier möchtest Du noch unbedingt fotografieren und warum?

Es gibt so viele Tiere die ich noch fotografieren möchte aber einige Tiere stehen ganz oben auf meiner „Wunschliste“, wie zum Beispiel das nordamerikanische Streifenhörnchen, das ähnlich wie der Feldhamster Vorräte für den Winter sammelt. Auch die Haselmaus mit ihren nahezu akrobatischen Kletterkünsten würde ich unheimlich gerne fotografieren. Oder aber auch das flinke Mauswiesel, welches das kleinste Raubtier der Welt ist, wäre ein wirklich tolles Fotomotiv.

Foto-Copyright: Julian Rad und Jasmina Brkic